Über Angst und den Mut ihr in die Augen zu sehen.

fall down seven times, stand up eight

Ich bin kein ängstlicher Typ. Ich denke selten daran was alles schief laufen könnte, bin Realistin. Ich glaube an das Gute im Meschen und denke nicht jede Situation und alle möglichen Folgen zu ende. Zumindest dachte ich das.
Dabei bin ich letztes Jahr ziemlich vielen Ängsten begegnet. Und dabei war ich so überfordert, dass ich sie noch nicht mal erkannte als sie mir ins Gesicht sprangen.

Ich war müde, erschöpft, ja vielleicht sogar ein bisschen depressiv. Wenn ich morgens aufstand, war ich nicht ausgeschlafen. Nein, ich war so erschöpft, dass ich mich am liebsten wieder hingelegt hätte. Ich wollte mich verkriechen und weglaufen. Den ganzen Tag über stellte sich mir mein eigener Widerwille in den Weg und sagte „Nö, find ich scheiße“. Ich hab mich gegen so vieles innerlich gewehrt dass mir am Ende keine Kraft blieb und hatte eine ständige Null-Bock Stimmung die meine Energie schlussendlich im Keim erstickt hat. Mir ist bewusst wie anstrengend das klingt. Und doch war ich wie eingesperrt. Durch bestimmte äußerliche Bedingungen, aber vor allem durch mich selbst. Da war ständig eine spontane Lust zu weinen, weil ich keinen Ausweg mehr wusste. Weil ich das Gefühl hatte, dass ich mich bestimmten Situationen einfach nicht entziehen konnte.

Eines Tages stellte mir mein Partner eine entscheidene Frage, die wie so oft einen wunden Punkt erreichte (typisch Schütze, sagt seine Mutter). Ich formulierte vorsichtig eine Antwort darauf. Und plötzlich stand das Kind meines wochenlangen Tiefs vor mir. Es sah zu mir auf und sagte: „Ich hab tierische Angst zu versagen.“

Da standen wir uns nun also gegenüber und wussten nicht so recht, was wir miteinander anfangen sollten. Aber nun war das Kind eben da und ich hatte mich darum zu kümmern. Wenn wir Angst haben können wir vor ihr wegrennen und neu anfangen, dann wird sie uns wahrscheinlich zu einem anderen Zeitpunkt wieder einholen. Oder wir ignorieren sie, dann wird sie aber unter Umständen wachsen, tiefe Wurzeln schlagen und uns eines Tages übermannen. Oder wir stellen uns ihr und fangen an mit ihr umzugehen.

Angst ist etwas, dass uns immer wieder heimsucht. Angst gehört zum Mensch sein dazu. Und doch sind wir jedes mal wieder überfordert und plötzlich ganz klein wenn sie uns gegenüber steht.

Ich bin nicht in einer Familie aufgewachsen, in der das Scheitern ein Schulterzucken hervorrief oder eine trotzige jetzt-erst-recht-Mentalität. In meiner Familie hat man sich tendenziell brav untergeordnet und Situationen akzeptiert wie sie waren, obwohl man auf den Tisch hauen oder sich hätte wehren müssen. Es wurde tendenziell geschluckt. Man hat sich gekrämt und sich vorrangig klein gemacht. Ich weiß, dass viel davon in mir steckt. Dass ich Angst vor dem Scheitern habe, weil ich mich im Vorhinein schon davor schützen will wie es mir danach geht. Oder wie es anderen mit meinem Scheitern geht. Ich sehe Scheitern in erster Linie nicht als etwas dass mich stark macht, es macht mir vorrangig große Angst. Ich war früher mit einer ständigen Sorge konfrontiert. Ich glaube am liebsten hätte man mich in Zuckerwatte gepackt. Natürlich vor allem, weil ich sehr geliebt wurde. Und doch ist das Loslassen und Hinfallen wichtig. Dass das Aufstehen als etwas gesehen wird, das eben dazu gehört und Scheitern nicht gleich Versagen ist, sondern etwas, das eben passiert. Wichtig ist es doch, dass wir aufstehen. Dass wir es versuchen. Dass wir es uns erlauben Fehler zu machen. Dass wir lernen auch in ihnen einen bestimmten Wert zu sehen. Wir sind nicht perfekt. Wir können nicht alles kontrollieren.

Trotzdem ist die Angst schwerer. Sie sitzt am einen Ende der Wippe und lässt mich auf dem anderen Ende oben sitzen. Sie spielt mit mir.
Immer wieder fragt mich mein Freund: „Was soll denn schlimmstenfalls passieren, wenn es schief geht?“ Und ich stehe vor ihm, beiße mir auf die Lippen und habe noch nicht mal eine Antwort darauf. Aber das Kind steht neben mir und klammert sich an meinen Arm. Ich schau es an, streichel ihm etwas ratlos über den Kopf und sage (mehr zu mir als) zu ihm: „Wir kriegen das schon hin.“

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Ein Gedanke zu „Über Angst und den Mut ihr in die Augen zu sehen.“

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