Minimalismus im Berufsleben // Teil 4 // Reduzierung der Arbeitszeit // Alternative Arbeitsmodelle

 

bdr

In meinem letzten Beitrag habe ich von meiner persönlichen Erfahrung erzählt und wie ich vor fünf Monaten meine Arbeitszeit von 5 Tagen à 40 Stunden auf 4 Tage à 32 Stunden reduziert habe. Vielleicht hast du den gelesen, genickt und dir gedacht: „Hm, nett. Gibt es da vielleicht auch noch andere Möglichkeiten?“

Klar, die gibt es. Deswegen will ich heute unkonventionelle, alternative und/oder angenehmere Modelle als unser typisches Arbeitsmodell vorstellen, die für dich interessant sein könnten, wenn du deine Arbeitszeit reduzieren willst.

  1. Weniger Arbeiten für Einsteiger: Überstunden reduzieren
    Ein erster wichtiger Schritt wenn du zu viel arbeitest ist folgender: Keine Überstunden mehr machen & diese auch standhaft ablehnen. Glaub mir, allein der Entschluss wird dich befreien.
    Ich weiß noch, als ich mich mit einer Freundin über meine 4-Tage Woche unterhalten habe und sie meinte, dass sie darüber auch schon nachgedacht hatte. Einen Monat später habe ich sie wieder getroffen und gefragt, wie es in der Arbeit läuft und sie meinte, dass sie das unheimlich motiviert hat. Erst wollte sie wirklich nachfragen und ihre Arbeitszeit reduzieren, aber dann beschloss sie zunächst einfach keine Überstunden mehr zu machen. Sie hatte davor ziemlich viele Überstunden geschoben und nun machte sie strikt keine mehr – und es ging ihr super damit.
    Und genau das wäre für dich vielleicht auch schon ein erster wichtiger Schritt, wenn du in der Arbeit zu sehr eingespannt bist. So hast du eventuell einfach abends ein bisschen mehr Zeit für dich, einfach weil du das Büro pünktlich verlässt. Du hast Zeit noch gemütlich kochen, ein Buch lesen oder dich mit Freunden treffen anstatt nur erschöpft ins Bett zu fallen. Also, mal hier anfangen und nur die Zeit zur Verfügung stehen, die im Arbeitsvertrag festgelegt und für die du auch tatsächlich bezahlt wirst. Mach deine Mittagspause und kürze diese nur dann, wenn du dann auch früher am Nachmittag gehen kannst. Sollte das nicht gehen, lass dich nicht hetzen. Ich kenne viele Freunde die einfach viel zu viel Arbeit haben und bei dieser Diskussion immer wieder anfangen: „Ja, aber dann würde ich mir selbst ins Fleisch schneiden, ich muss es ja fertig kriegen.“ Du kannst dich nicht vierteilen, es geht einfach nicht. Wenn du immer nur nickst und heimlich keine Mittagspausen machst wird sich dein Chef auch an dieses Pensum gewöhnen. Lass es nicht so weit kommen.Also, kein radikaler, aber ein sehr wichtiger und sinnvoller Schritt. Was du bedenken musst? Halte dem sozialen Druck stand. Es wird immer Mitarbeiter geben die dich fragen: „Wie, du gehst schon?“. Steh drüber. Eventuell heimst du dir sogar Respekt ein, immerhin lässt du dich nicht verarschen.
  2. Teilzeitarbeit
    Der Teilzeitarbeit sagt man viele Dinge nach. Vor allem dass sie nicht genug einbringt um deinen Lebensstil zu halten und dass der Arbeitgeber vor allem Nachteile dadurch hat, weil du weniger schaffst.
    Lasst mich sagen: Beide vorherrschenden Ansichten sind absolut falsch.
    Solang wir unseren Konsum immerzu hinterfragen, werden wir niemals so viel Geld benötigen, wie wenn wir das nicht tun.
    Auch wenn Teilzeitjobs beliebter werden, nicht jeder Chef ist sofort überzeugt.
    Solltest du mit deinem Vorgesetztem über dieses Thema diskutieren, bleib flexibel. Sag deinem Chef zum Beispiel zu, dass du in einem Notfall zusätzliche (bezahlte) Stunden zur Verfügung stehst oder biete an, dass du bei wichtigen Meetings außerhalb deiner Arbeitszeit teil nimmst.
    Außerdem ist es immer sinnvoll deine Intention hinter deiner Idee ordentlich zu begründen – mit einem guten Maß an Respekt und Dankbarkeit. Ich habe zum Beispiel gesagt dass ich mehr schreiben will – das steigert unter Umständen sogar meinen Wert für die Firma. Vielleicht ist es aber ökonomisch sinnvoller für dich, weil du einen langen Fahrweg hast… Es gibt inzwischen schon einige Firmen, die mit Teilzeit-Modellen sehr positive Erfahrungen gemacht haben.
    Vielleicht lässt sich deine Teilzeit ja zumindest vorübergehend einrichten – sozusagen als Probezeit für beide Parteien. So kann der Chef nicht viel verlieren und wird sehen, wie gut das auch in weniger Arbeitsstunden funktionieren wird.
  3. Teilzeit für Fortgeschrittene: Jobsharing
    Nur 15-20% setzen in Deutschland bisher auf Jobsharing. Dabei ist es ein sehr attraktives Modell – auch für den Arbeitgeber (trotz einem minimalen organisatorischen Mehraufwand). Das dürfte dann interessant werden, wenn der Job schlicht eine 40 Stunden Woche (oder sogar mehr) erfordert. Wie es geht? Genauso wie es klingt: Zwei Menschen teilen sich ein und denselben Arbeitsplatz. Das kann durchaus Vorteile bringen, wenn zwei Köpfe sich um ein Problem kümmern – immerhin bringen beide individuelle Fähigkeiten mit und im Austausch entstehen schnell neue Ideen.
    Unter anderem zum Beispiel für Manager Stellen, die unter Umständen eine 60 Stunden Woche erfordern frage ich mich immer wieder, warum nicht mehr auf Jobsharing gesetzt wird. Unsere Arbeitswelt ist leider nach wie vor ziemlich starr. Genau aus diesem Grund brauchen wir mutige und innovative Vorschläge und vor allem Menschen die mitdenken.
  4. Verantwortung teilen
    Das alte Hausfrauen Konzept. Obwohl am bekanntesten, ist dieser Vorschlag heutzutage der wohl unkonventionellste Vorschlag für Paare (auch jene, die keine Kinder haben): Einer bleibt zuhause und kümmert sich um den Haushalt und/oder um ein persönliches Projekt, der andere verdient das Geld.
    Heute müssen wir das selbstverständlich nicht mehr am Geschlecht ausmachen und das sollten wir auch nicht. Bis 1960 hatten Ehepaare ihre Pflichten aufgeteilt, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass viele Frauen nicht zuhause bleiben wollten. Wie gut dass wir das heute auch anders lösen können. Die Idee: Den Haushalt nicht als untergeordnete Rolle sehen (sondern als das was es eben ist: Arbeit) und die Geschlechterrollen über den Haufen werfen.Mein favorisierter Vorschlag: Genauso würde es bei diesem Modell natürlich wunderbar funktionieren, wenn beide Partner einem Teilzeitjob nachgehen würden. Was natürlich den sehr angenehmen Nebeneffekt hat, dass man als Paar auch etwas mehr Zeit zusammen genießen kann und zusätzlich Zeit für Familie und Freunde einräumen kann, ohne in die Bredouille zu kommen.
  5. Auf Zeit arbeiten
    Ein Freund von mir ist diesem Modell ein paar Jahre nachgegangen. Er hat als Schreiner gearbeitet, meist an einem oder mehreren Projekten – aber immer nur so lange, bis sein Geldbeutel gefüllt war und er seine nächste Reise antreten konnte. Dann war er auch wieder weg, für die nächsten Monate.
    Klar, das bietet sich für den einen Job mehr, für den anderen weniger an aber warum eigentlich nicht? Solang man flexibel, ungebunden und frei ist, steht dieser Idee nichts im Wege. 

Ideen habe ich übrigens unter anderem auch aus dem Buch „Ich bin raus“ entnommen, von Robert Wringham.

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2 Kommentare zu „Minimalismus im Berufsleben // Teil 4 // Reduzierung der Arbeitszeit // Alternative Arbeitsmodelle“

  1. Ich arbeite seit drei Jahren 10 % weniger, eingeteilt in eine 5-Tage- und in eine 4-Tage Woche. Ab dem nächsten Jahr habe ich auf 20 % erhöht und arbeite nur noch 4 Tage die Woche. Klar habe ich weniger Geld, aber die freie Zeit, die ich durch die Arbeitsteilzeit habe ist einfach unbezahlbar. Ich kann es nur jedem empfehlen, aber leider wird es nicht von jeder Firma unterstützt. Liebe Grüße und eine schöne Woche Marion

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