Minimalismus im Berufsleben // Teil 2 // Tipps für den Büroalltag und für mehr Zufriedenheit

do not get upset

Ich bin mir sicher, dass wir uns mit unserer Arbeit arrangieren können. Aber wir verbringen dort so viel Zeit, dass es mehr sein sollte als nur ein Arrangement. Grundsätzlich haben wir oft das Gefühl, dass wir einer Arbeits-Situation tendenziell ausgeliefert sind. Allerdings haben wir sehr viel mehr in der Hand als viele zunächst annehmen. Wir können einiges für eine gute Arbeitsumgebung tun und das sollten wir auch nutzen. Für mich persönlich gibt es 5 Faktoren die absolut notwendig sind: Arbeitsklima, Arbeitszeit & Flexibilität, Abwechslung, Professionalität, Zufriedenheit.

Ich euch ein paar Tipps an die Hand geben, wir ihr den ein oder anderen Punkt für euch vielleicht verbessern könnt.
(Mir ist übrigens bewusst dass es darauf ankommt was du beruflich machst. Ich arbeite im Büro und die Tipps lehnen sich natürlich an das an was ich bisher an Erfahrung gesammelt habe.)

  1. Kommunikation
    Der Grund für Unzufriedenheit, Stress, Überstunden oder auch Unterforderung ist nicht selten eine falsche Erwartungshaltung von Seiten des Arbeitgebers. Der kann aber oft auch gar nichts dafür. Der Chef ist nicht selten selbst überlastet und hat oft keinen Überblick wie viel Zeit du für bestimmte Aufgaben benötigst. Der operative Hintergrund ist aber auch nicht sein Job, sondern deiner. Der Schlüssel bei Unzufriedenheit ist immer Kommunikation. Nicht selten wird stattdessen geschluckt. Wovor haben die Menschen Angst? Dass sie ihrem Job nicht gerecht werden? Dass sie ersetzt werden könnten? Dass der Chef wütend wird?
    Meiner Meinung nach gibt es hier kein „Friss oder Stirb“. Es ist ein Job. Selbst wenn du den eines Tages nicht mehr haben solltest, gibt es genug Alternativen. Die einen sind besser, die anderen schlechter. Aber grundsätzlich hängt dein Leben nicht von diesem einen Job ab (ich spreche jetzt natürlich für Einzelpersonen, mir ist bewusst, dass Eltern da eine andere Verantwortung zu tragen haben).
    Das ist das eine. Das andere: Einfach mal nein sagen & Grenzen klarstellen.Du weißt nicht was du sagen sollst? Mach dir vorher eine Liste mit Punkten die du ansprechen willst (wenn du das brauchst) und lerne Dinge klar & ohne Ausschmückungen zu kommunizieren. Und BITTE: RECHTFERTIGE DICH NICHT!

    • „Ich kann das gern machen. Aber heute/diese Woche/ diesen Monat bin ich schon extrem ausgelastet und bekomme das nicht mehr unter.“
    • „Du weißt, dass Aufgabe X höchste Priorität hat und trotzdem bekomme ich ständig „kleine“ Aufgaben die wahnsinnig viel Zeit fressen. Das nimmt mir Zeit, die ich in Arbeit X investieren müsste. Ich will dass du Bescheid weißt und wir sollten Prioritäten setzen.“
    • „Lieber Chef, jetzt ist es 17 Uhr und diese Aufgabe ist nicht in 15 Minuten erledigt. Ich bin nur noch eine halbe Stunde im Büro, werde mich aber gleich morgen früh darum kümmern.“
    • „Tut mir leid, ich bin aktuell absolut ausgelastet, ich kann mich darum gerade nicht kümmern.“
    • „Ich bin dran, aber brauche dafür noch mehr Zeit. Das ist aufwändiger als du gerade an nimmst. Du musst dich noch gedulden.“
    • „Ich kann dir das auf die Schnelle nicht beantworten, werde das aber recherchieren und dir Bescheid geben.“
    • „Ich hätte übrigens Lust mich in das Thema XY einzuarbeiten und würde mir gern ein kleines Zeitfenster hierfür einräumen. Was hältst du davon? Ich bin mir sicher dass uns das einiges bringen würde, zum Beispiel für Projekt Y.“

    Mach Grenzen klar. Ganz viel hat auch damit zu tun, dass du fit bist in dem was du tust und so das Zeitfenster für bestimmte To-Dos gut einschätzen kannst.
    Kommuniziere zeitig, erwarte nicht dass der Chef irgendwelche Sachen riechen kann. Sag, wenn du unzufrieden bist aber achte auf deine Ausdrucksweise! Werde nicht patzig oder unprofessionell. Aber auf der anderen Seite, sprich selbstbewusst und knicke nicht ein wenn es zum Beispiel um indiskutable Kompromisse geht (z.B. unbezahlte Überstunden über einen längeren Zeitraum).

  2. Flexibilität bieten & genießen
    Klar, im besten Fall bietest du auch ein bisschen was an, um die Zusammenarbeit mit dir angenehm zu gestalten. Bleib hier immer ein bisschen flexibel – wenn es zum Beispiel um Gehalts-Verhandlungen geht (wenn ihr euch zum Beispiel auf keine Summe einigen könnt, verhandle zusätzlich mit Urlaubstagen). Biete Diskussionen und Ideen an und sei offen für neue Projekte & Aufgaben.
    Aber anders herum ist es natürlich auch wichtig im Gegenzug Flexibilität vom Arbeitgeber zu erwarten, in Form von Arbeitszeiten, spontane Feedback-Gespräche etc.
    Aber vor allem, sei auch flexibel im Kopf. Konzentriere dich auch mal auf positive Aspekte in der Arbeit und nicht nur auf die Negativen. Denn ganz ehrlich: In jedem Job gibt es irgend etwas das nicht passt. Der Kollege nervt, der Job ist stressig, der Chef cholerisch… Irgendwas ist immer. Daran kann man sich aufhängen, man kann aber auch bestimmte Umstände akzeptieren und sich zum Beispiel über den kurzen Arbeitsweg freuen, an dem wöchentlich gestellten Obst Teller für die Abteilung, an der flexiblen Arbeitszeit… So machst du es dir selbst etwas leichter.
    Klar, mit manchen Sachen kann man sich auf Dauer nicht arrangieren – dann muss man den Job wechseln.
  3. Ich-Stärke
    Ich finde es wichtig sich klar zu werden was man kann und die eigenen Stärken für sich selbst zu definieren und zu stärken.
    Das hat nichts mit Arroganz zu tun sondern mit Selbstsicherheit und Vertrauen. Zu wissen was man kann und: was man auf der anderen Seite eben auch nicht kann macht unheimlich entschlusssicher und ausgeglichen.
    Mach dir bewusst, wie du zu deinem Job stehst und was du besonders gut kannst. Mach mehr worauf du Lust hast und wenn dir etwas nicht liegt, steh dazu. Kein Mensch kann alles und muss alles mögen.
    Nicht selten wird in bestimmten Branchen oder Agenturen eine überdurchnittliche Begeisterungsfähigkeit erwartet. Also dass du nicht nur deinen Job machst, sondern dass du da auch mit einer extra Portion Ehrgeiz heran gehst und jeden Tag überschwenglich deine Aufgaben erledigst und ohne Probleme Überstunden schiebst. Nichts gegen Dankbarkeit für die aktuelle Arbeitssituation. Aber übertreiben wir es mal nicht – immerhin bist ja DU derjenige der die Arbeit erledigt die anfällt. Und genau das ist dein Job, dafür wirst du bezahlt.
    Es gibt Tage, da hat man mehr Lust, aber es gibt einfach mal schlechte Tage und dann ist es auch ganz normal und menschlich dass man auch mal keine Lust auf die Arbeit hat. Elan ist gut, aber nicht notwendig dafür dass du einen guten Job machst – wenn du nicht gewissenhaft arbeitest, kann es dir dann sogar im Weg stehen.
  4. Empathie
    Jeder Kollege hat ein Privatleben und bei jedem gibt es Zeiten wo es mal nicht so rund läuft. Ob du die Person nun magst oder nicht, das hat nichts mit dem Job zu tun und man kann trotzdem höflich und distanziert miteinander umgehen.
    Wenn mal schlechte Laune im Büro ist, akzeptiere das und hab nicht das Gefühl dass es was mit dir zu tun haben könnte. Das kommt überall vor.Kollegiales Verhalten ist wichtig, aber sei vorsichtig wenn es um kollektives Miteinander geht. Vor allem Abends, wenn du nach Hause gehst und merkst dass der ein oder andere Kollege wie so oft noch angestrengt in den PC guckt. Nimm etwas Abstand von blinden Aktionismus. Das kann nämlich dann schnell so ausgehen, dass das halbe Büro noch länger sitzt ohne besonders produktiv zu sein.
    Damit will ich übrigens nicht sagen, dass du Kollegen keine Hilfe anbieten solltest. Jeder ist froh, wenn ein Kollege Hilfe anbietet wenn du sie brauchst. Aber hier sind wir auch wieder beim ersten Punkt: KOMMUNIKATION. Wenn du Hilfe brauchst, kommuniziere früh genug. Das gilt nicht nur für deinen Vorgesetzten, sondern natürlich auch für Kollegen. Denn niemand freut sich, wenn du um 17 Uhr verzweifelt nach Hilfe bei einem größeren Projekt fragst. Wie gesagt, jeder Kollege hat ein Privatleben.
    Tipp: Schlag ein tägliches, morgendliches Stand-Up vor, in dem das Team zusammen kommt. Das sollte nicht länger als 15 Minuten dauern und jeder kann von seinen To-Dos für den Tag kurz erzählen. Dann kann jeder Dringendes sofort ansprechen und ihr vermeidet ein kollektives Sitzenbleiben nach 17/18 Uhr.
  5. Professionell bleiben
    Ein sauberer und höflicher Umgang, klare Kommunikation, faire Kritik ohne dass sie persönlich genommen wird, gesunde Distanz, kein Gerede über Kollegen. Wenn man all das hat und dann noch eine gute Portion Herzlichkeit im Team mit dabei ist, weiß man was ein professionelles und tolles Arbeitsumfeld ist. Klar gibt es da mal eine negative Grundstimmung und natürlich bespricht man auch mal Probleme. Man verbringt dort ja auch viele Stunden und ist natürlich froh um nette Kollegen. Aber trotzdem lohnt es sich, bestimmte Dinge ernst zu nehmen:

    • Mach deine Arbeit ordentlich, lies E-Mails zweimal bevor sie raus gehen. Sei pünktlich und zuverlässig.
    • Mach dir einfach bewusst, dass Kritik nicht gegen dich persönlich gerichtet ist, sondern an deine Arbeit. Und das bedeutet, du kannst daran arbeiten sie zu verbessern.
    • Halt dich raus, wenn es um Streit oder Lästern geht – damit bringst du dich nur selbst in eine ungute Situation.
    • Und: Es sind Kollegen, keine Freunde. Eine klare Trennung von Spielwiese und Arbeitsplatz hilft eine gesunde Distanz zu wahren.
  6. Arbeitszeit
    Es ist nicht schlimm ein Privatleben zu haben und deswegen zu bestimmten Zeiten das Büro zu verlassen. Nur weil du keine Überstunden machst, bist du noch lange kein „schlechterer“ Mitarbeiter als ein Kollege der immer länger arbeitet. Die Erwartungshaltung Überstunden zu machen, nur weil es Kollegen machen ist einfach unsinnig. Man bekommt ja weder mehr Geld, oft auch keinen Urlaubstag mehr und selten einen feuchten Händedruck dafür. Auch hier: Mach deine Position klar.
    Es geht nicht um Erziehung (gut, anfangs vielleicht schon). Es geht einfach darum dir klar zu werden was du für diesen Job tun willst und kannst und wo es einfach aufhört. Bis Mitternacht im Büro sitzen, das habe ich noch nie verstanden. Genauso wenig versteh ich die Arbeitskultur in vielen Agenturen – da wird oft zwischen 18 und 20 Uhr ein Bier aufgemacht, ein bisschen gequatscht und dann wird kollektiv sitzen geblieben und oft noch provisorisch „so getan“ als würde man arbeiten. Als ob das mehr Produktivität oder ein besseres Arbeitsergebnis bedeuten würde wenn man mehr als 10 Stunden am Tag arbeitet. Im Gegenteil. Studien zeigen, dass ab sechs Stunden Arbeit pro Tag die Produktivität nicht mehr zunimmt, sondern abnehmend ist.
    Überstunden sagen wirklich überhaupt nichts über die Qualität deiner Arbeit aus. Eventuell bist du einfach so gut organisiert dass es schlicht ohne geht.

Wenn alles nichts hilft, empfehle ich eine ganz simple Lösung: Job wechseln. Seit ich meinen Job gewechselt habe, mache ich weniger Überstunden. Einfach, weil ich von Anfang an ganz anders an die Sache ran gegangen bin.
Im Feedback-Gespräch habe ich übrigens nicht gehört, dass ich mehr Überstunden machen sollte. Ich habe das Feedback von meinem Chef bekommen dass er es klasse findet dass ich so klare Aussagen treffe und er sich daher auch so gut auf mich verlassen kann.

Es ist ein Job. Mach ihn und mach ihn gut. Wenn du ihn gern machst, umso besser. Aber bedenke, dass es eben auch nur ein Job ist.

 

 

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1 Kommentar zu „Minimalismus im Berufsleben // Teil 2 // Tipps für den Büroalltag und für mehr Zufriedenheit“

  1. Dein Artikel spricht mich persönlich an.Ich habe Burnout und genau das, was Du in Deinem Beitrag vorschlägst, habe ich leider nicht umsetzten können.Für die Zukunft werde ich das wohl lernen müssen.Ein großer Schritt für mich auf dem Weg der Weiterentwicklung.

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