Dieses EINE Teil…

saxophon

Was war für dich besonders schwer los zulassen?

Ich denke für jeden Minimalisten gibt es etwas das man nicht so leicht los lassen kann. Dieses EINE Teil, das man so lange vor sich herschiebt, weil man die Entscheidung nicht treffen möchte.

Für mich? Mein Saxophon.

Früher habe ich sehr viel musiziert. Ich habe wahnsinnig viel Zeit damit verbracht und wollte es sogar eine Zeit lang zu meinem Beruf machen. Damit verbinde ich allerdings nicht nur positives. Ich bin ein eher introvertierter Mensch der einen Wettbewerb nicht genießen kann. Musik ist ein einziger Wettbewerb. Es gibt so viele Talente und das ist großartig. Aber ich kann mich an so viele Momente erinnern in denen ich mich nicht gut gefühlt habe, obwohl ich begabt war.

Ich habe vor circa 2 Jahren aufgehört im Orchester zu spielen. Weil ich keine große Freude mehr daran hatte. Und seitdem lag das Saxophon in meiner Schublade.

Musik war eine lange Zeit ein Teil von mir. Es hat mich geformt, mich zu der gemacht die ich heute bin. Ich dachte mir – wenn ich es weg gebe, dann gebe ich einen Teil von mir weg. Es fiel mir so schwer dass ich es verdrängen wollte, was ich natürlich nicht schaffte. Ich wusste nicht einmal was ich damit machen wollte. Ein Instrument das noch gut in Schuss, aber gebraucht ist – das brauche ich nicht zu verkaufen. Bis mir die Idee kam, es an eine Musikschule als Leihinstrument zu geben.

Was du zwei Jahre lang nicht gebraucht hast und was dir sogar Unbehagen bereitet hat, das wirst du nicht vermissen. Du gibst einen Gegenstand weg. Auch wenn es einen Wert für dich hat, bedeutet es nicht dass dieser (nicht monetäre) Wert mit dem Gegenstand geht. Es ist ja nicht so das meine Musikalität aus mir herausgerissen wird, diese Zeit damals oder die Konzerte die ich mit diesem Instrument gespielt habe. Und ja, das drücke ich mit Absicht so spitz aus. Es ist ein Gegenstand, der eigentlich Pflege erfordert und der in meiner Schublade liegt. Und dort einfach nur liegt.

Neulich hab ich es dann ausgepackt und mir angesehen. Und ich hatte nicht mal Lust ein bisschen darauf zu spielen. Nicht mal ein kleines bisschen. Also hab ich es eingepackt und bin zur Musikschule gegangen, um mein Saxophon zu an diese zu verschenken. Für Kinder, die sich ein Instrument nicht leisten können und deren Freude daran unbezahlbar ist.

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