Loslassen Part 2: Status & Prestige

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Dass Menschen ihren gesellschaftlichen und sozialen Stand beweisen wollen ist nichts neues. Einkommen, Macht, Ansehen zeigen – das haben wir schon immer gemacht.

Vor allem durch die sozialen Medien & fragwürdige Reality TV-Shows wird das Ganze jedoch immer weiter ausgereizt. Höher, besser, teurer. Wer hat die teuerste Designer-Tasche, das größte Auto, die luxuriösesten Reiseziele? Worum geht es eigentlich und wer genau soll beeindruckt werden? Der Hashtag #goals beweist: Bei vielen Menschen funktioniert das ganze Prestige Gehabe sogar sehr gut, sie finden es erstrebenswert.

Warum es sehr wichtig & gesund für uns ist davon Abstand zu nehmen. Der zweite Teil meiner Loslassen-Serie.

Ich muss beim Thema Status & Prestige spontan an die Louise Vuitton Speedy Bag denken. Eine Zeit lang war diese rund 400 Euro teure Tasche drauf an dran sich durchzusetzen bei der jüngeren (weiblichen) Generation. Ich will niemanden zu nahe treten, Mode ist subjektiv und jeder findet unterschiedliche Sachen schön. Nun mag es Geschmackssache sein, aber eine besondere Meisterleistung mag die Tasche design-technisch nicht gewesen sein. Die Mädels haben sie trotzdem gekauft. UND WIE. Ich hab mich immer gefragt, wenn diese Tasche bei H&M in den Regalen stehen würde – dann würde die sicher im SALE auch noch keiner kaufen. Es geht wie immer um die Marke. Das ist nicht nur in der Mode-Branche so. Da muss man auch nur kurz an Apple denken. Aber baut sich da tatsächlich ein solcher gesellschaftlicher Druck auf, eine bestimmte Tasche oder das neuste iPhone kaufen zu müssen? Natürlich nicht – das sind wir selbst. Wir lassen uns beeinflussen. Die Unternehmen machen ihren Job gut (oder auch nicht) und wir sind die Markenopfer.

Willst du dir wirklich vorschreiben lassen was gut oder schön ist und was nicht? Sonst machen wir das ja auch nicht, wir entscheiden selbst. Warum sollten wir also bei Statussymbolen nicht selbst entscheiden können? Na also.

Status pur ist natürlich auch unser Job. „Was machst du so?“, hat sich als klassische Frage im Smalltalk etabliert. Damit wollen die meisten nicht erfahren was du gerne in deiner Freizeit machst oder was genau dein Beruf ist. Im Grunde wollen so viele erfahren wie du dein Geld verdienst um so einschätzen zu können wie viel das in etwa ist. Dein Jobtitel – klingt der auch so imposant wie meiner?

Es gibt so viele Menschen die ihren Status mit ihrem Beruf assoziieren. Ihre Karriere gibt ihnen das Gefühl wichtig & bedeutungsvoll zu sein. The Minimalists haben in einem ihrer Bücher dazu einen ganz interessanten Anreiz gegeben. Sie haben geschrieben, dass Menschen nach einem Jobverlust genau deshalb so verlegen & beschämt sind und sich unbedeutend und depressiv fühlen. Klar haben sie zunächst Geldsorgen. Wie geht es weiter? Aber nach dem ersten Schock fühlen sie sich schlichtweg leer ohne Job. Warum ist das so? Weil sie ihrer Karriere eine so hohe Bedeutung beimessen. „Ohne diesen Job bin ich nichts.“

Wirklich? Wollen wir uns mit unserem Job im Sinne eines Statussymbols identifizieren? Ich finde das fühlt sich nicht richtig an. Früher war ich zugegebenermaßen stolz auf meinen Jobtitel. Heute nehme ich ihn nicht mehr in den Mund. Wenn jemand wissen will was ich beruflich mache erzähle ich von der Agentur in der ich arbeite, was wir machen und was meine Aufgaben sind. Damit können Menschen übrigens ohnehin mehr anfangen als mit Titeln. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Die meisten Leute interessiert es ohnehin nicht ehrlich was du beruflich machst. Warum?

  1. Enge Freunde & Familie: Die Menschen denen du wichtig bist ist es egal wie du dein Geld verdienst. Es ist ihnen wichtig, dass du glücklich bist.
  2. Alle anderen interessieren sich erst recht nicht dafür. Mit „und was machst du so?“ wollen viele nur eine Antwort haben mit der sie sich vergleichen können.

Es geht wie immer um dich. Nicht um die anderen. Du musst glücklich sein. Du musst den Job machen. Und du entscheidest dich dafür, jeden Tag wenn du aufstehst. Es ist dein Leben und es ist deine Art Geld zu verdienen.

Denn das ist der ganze Punkt. So werdet ihr wieder frei im Kopf. Ihr könnt loslassen von diesem gesellschaftlichen Konstrukt, dass uns sagen will wie, wie viel und warum wir unseren Job machen müssen und könnt anfangen das zu machen was euch glücklich macht.

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4 Kommentare zu „Loslassen Part 2: Status & Prestige“

  1. Ich muss mal eben anmerken, wie schön sich deine Seite entwickelt und du sie aufbaust und strukturierst. Man merkt so selbst hier auf der Seite die Ordnung, die durch Minimalismus Einzug hält. Das ist total schön und überzeugend. :)

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  2. Ich bin gerade dabei, deinen Bog von hinten nach vorn zu lesen und schließe mich meiner Vorposterin an :) sehr schön strukturiert und schlüssig!
    Auch bei diesem Post hier weiß ich, was du meinst, bin aber ein bisschen geteilter Meinung.
    „Was machst du so?“ ist halt geläufiger als zu fragen „Womit verbringst du den Großteil deiner Zeit, was definiert dich, macht dich aus?“ was ja für Smalltalk oft auch zu weit führen würde, aber meiner Meinung nach der Grund ist, warum diese Frage gestellt wird.
    Also ich zumindest seh das nicht als „Status-Abklopferei“, sondern oben genanntes :)
    Ansonsten stimme ich dir aber zu. Man sollte machen, was man will, was einen erfüllt (ein Stück weit zumindest, zuviel Romantik find ich da auch gefährlich) und was die Rechnungen zahlt. Und wenn die Rechnungen zu hoch für den Traumjob sind, muss man seine Prioritäten und seinen Lebensstandard vielleicht überdenken :)

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    1. Hallo Kati, danke dir für deinen lieben Kommentar. Es freut mich sehr dass du dir die Zeit nimmst meine Beiträge zu lesen. Natürlich hast du recht – die Frage „was machst du so?“ wird oft ohne große oder mit harmloser Intention gestellt, weil sie sich einfach etabliert hat und sich daher im Smalltalk anbietet. Das habe ich eventuell auch ein wenig salopp formuliert. Vielleicht wäre es aber trotzdem interessant zu überdenken wie wir diese Frage beantworten wollen. Wir könnten ja statt von unserem Beruf von unseren Interessen erzählen. So kann Smalltalk glaube ich auch interessanter werden ohne gleich mega tiefgründig zu werden :)

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