Minimalismus & Beziehungen: Kinder

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Ein Paket jagt das nächste. Die schwangere Kollegin investiert mindestens eine halbe Stunde pro Tag damit diese Pakete auszupacken. Heute? Zwei Windeleimer. Ich betrachte sie verwundert und frage meine Kollegin was das ist. Sie erklärt mir dass es spezielle Mülleimer sind. Anscheinend des Geruchs wegen. Ich nicke und deute auf den zweiten Windeleimer, der identisch zum ersten ist. Sie erklärt dass sie den zweiten für die Wochenend-Wohnung in Österreich braucht. Ich nicke wieder. Verständnislos. Jeden Tag lerne ich dazu. Von Zeug das ich vorher nicht kannte und jetzt schon. Ich kann vieles davon trotzdem nicht verstehen.

Nein, Minimalismus ist nicht nur für junge, hellhäutige Singles gedacht. Mit Kindern braucht man eventuell ein paar Sachen mehr – aber das heißt nicht dass man nicht trotzdem bewusst und leicht leben kann – ohne unnötigen Kram. Ich habe keine Kinder und finde es trotzdem ein wichtiges Thema. Wie man Minimalismus auch mit Kindern und einem Familienleben vereinbaren kann? Ein paar Blog-Empfehlungen für Familien und Gedanken zum Thema.

Ich habe durch diverse Podcasts und Bücher zu diesem Thema schon die ein oder andere Geschichte gehört wie verschiedene Minimalisten ihren Kindern bestimmte Werte vermitteln. Die drei schönsten Beispiele habe ich für euch gesammelt. Keine Angst – ich gebe hier keine Ratschläge zur Erziehung. Das wäre mehr als anmaßend… Hier also meine drei liebsten Geschichten:

  • Neues Spielzeug
    Wenn das Kind ein neues Spielzeug will und der Vater es für angemessen hält, nickt er und fragt: „Okay, lass mal sehen… Hast du dir überlegt welches Spielzeug du im Gegenzug dazu nicht mehr haben willst? Eines das wir dafür spenden können?“ Kinder sind bei diesem Thema sehr sensibel und haben eine sehr hohe Bereitschaft zu spenden, wenn man ihnen erklärt wofür man das macht.
  • Zeichnungen
    Für eine bestimmte Zeit kommt das Kind jeden Tag aus der Schule oder dem Kindergarten und bringt tagtäglich ein neues Kunstwerk mit nach Hause, dass es gemalt hat. Und jeden Tag ist es aufgeregt, weil es das Bild verschenken kann und die Mutter es an den Kühlschrank hängt. Die Mutter schlägt daher, als das Kind erneut mit einem Bild nach Hause kommt, vor: „Toll, lass uns an den Kühlschrank gehen und ein Bild aussuchen dass wir dafür abhängen wollen“. Danach gehen sie gemeinsam zum Papierkorb und entsorgen das alte Bild, dass sie durch das neue ersetzt haben.
    Ich finde das eine sehr schöne Lösung um Abstand von sentimentalen Gegenständen zu bekommen und außerdem die Fähigkeit Entscheidungen treffen zu können zu fördern.
  • Luftballon
    Joshua Fields Millburn lernt der Tochter seiner Freundin, der 2 1/2 jährigen Ella wie man den Moment genießen kann. Weil er sehr starke Rückenschmerzen hat muss er jeden Tag Übungen mit einem Luftballon machen. Und jeden Tag geht er danach in Ellas Zimmer und gibt ihr den Luftballon, den er für seine Übungen aufgeblasen hat. Sie ist morgens nicht besonders gut gelaunt weil sie noch müde ist – aber wenn sie den Ballon sieht, ist sie mit einem Schlag glücklich. Was passiert wenn man einer zweijährigen einen Luftballon in die Hand drückt? Er platzt zwangsläufig, früher oder später. Und so ging das. Jeden Morgen. Anfangs ist die Kleine ausgeflippt und hat geweint. Mit der Zeit hat sie gelernt wie sie mit dem Luftballon umgehen muss damit er nicht (so schnell) platzt. Sie weiß, dass er kaputt geht und spielt daher aufmerksamer damit und erfreut sich daran solange er da ist.

Es mag nicht immer leicht sein und es erfordert Konsequenz. Denn gerade mit Kindern oder Babys bekommt man auch jede Menge Geschenke. Es macht ja auch Spaß zu schenken, man kann diese putzigen, winzig kleinen Sachen kaufen. Das Ganze kann enorme Ausmaße annehmen… Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir dass Kinder den ganzen Kram nicht brauchen. Der Sohn einer Freundin von mir hat genau zwei Spielsachen die er braucht – das eine ist sein stets vollgesabberter Stoffhase und das andere ist die Kette von seinem Schnuller. Damit ist er happy. Und mich macht das sehr glücklich dieses zufriedene Kind zu sehen und gleichzeitig macht es mich traurig, weil ich weiß dass es so schnell ändern kann wenn sich Kinder an die vielen Sachen & Geschenke gewöhnen. Das soll auch kein Vorwurf sein. Denn ich bin keine Expertin. Hier will ich euch jedoch noch einige Experten empfehlen, für alle Mütter oder Väter unter euch oder diejenigen die sich einfach für das Thema Minimalismus mit Kindern interessieren:

Alle leben und erleben Minimalismus anders. Ein sinnvolles und zufriedenes Leben führen zu wollen verbindet alle Minimalisten dieser Welt, ob es nun Familien sind oder Singles oder Paare – es macht keinen Unterschied.

Es ist niemals perfekt. Manchmal haben wir so ein Bild vor Augen wie unser Leben aussehen sollte. Besonders am Anfang, wenn man sich für Minimalismus entscheidet ist es aufregend. Man denkt, dass es das eigene Leben verändern wird und dass es ab jetzt einfach perfekt wird. Aber so läuft das Leben einfach nicht. Nichts ist je perfekt. Und sowohl in einer Partnerschaft als auch im Familienleben gibt es immer Kompromisse die wir eingehen müssen. Und wir tun es und sollten es immer wieder tun – weil wir diese Menschen lieben.

Love people, use things. The opposite never works.

-The Minimalists

 

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