Minimalismus & Beziehungen: Mitteilungsbedürfnis

geschenke

Du hast dich für einen minimalistischen Lebensstil entschieden und willst ihn leben – durch und durch. Sollte man das den Menschen um sich herum eigentlich mitteilen?

Es gibt Momente in denen man sich als Minimalist wünscht, dass andere einen etwas besser versteht. Zum Beispiel wenn dich tausende von Geschenken erreichen, weil du ein Kind erwartest. Oder deine Verwandschaft Weihnachten anders interpretiert als du es tust und du danach mit einem Kofferraum voller Geschenke nach Hause fährst. Es gibt kein besseres Paradebeispiel als Geschenke. Als Minimalist kann ein Geschenk sehr unangenehm sein, wenn man es nicht brauchen kann oder nicht haben will. Wir fühlen einen Klos im Hals, bekommen Schuldgefühle oder ärgern uns gar über die Person die es uns in die Hand drückt. Da helfen in der Regel nur zwei Dinge:
a) Spende das Geschenk so schnell wie möglich, ohne dass es der andere mitbekommt und vergiss es ganz schnell. Oder:
b) Teil dich mit

Wenn du dich entscheidest dich mitzuteilen, sei achtsam. Manche Menschen können sich dadurch persönlich angegriffen fühlen oder denken, dass du sie verurteilen könntest weil sie nicht so leben wollen wie du und mehr Kram besitzen als du es tust. Das ist natürlich Blödsinn. Aber genau das muss in einem Gespräch auch vermittelt werden, damit der andere es versteht. Lass dich im Gegenzug auch nicht unterkriegen. Manche Menschen können mit Minimalismus zunächst nicht viel anfangen. Sie verstehen darunter nur leere Räume und Konsumverweigerung. Es erfordert Geduld und dauert Zeit bis auch diese Personen begreifen um was es dir tatsächlich geht.

Ich persönlich habe keine Gespräche gesucht, nicht aktiv. Meine Familie und mein Partner wissen von meinem Blog und meiner Entscheidung bewusst minimalistisch zu leben. Natürlich tut Unterstützung gut. Eine längere Zeit habe ich aber auch überlegt mit meiner Großmutter darüber zu sprechen, weil ich von ihr für gewöhnlich ziemlich viele unnötige Geschenke zu Weihnachten und ähnlichen Anlässen bekomme. Aber was wäre die Quintessenz eines solchen Gesprächs? Meine Großmutter würde es akzeptieren, wenn ich sie darum bitten würde mir nichts zu schenken was ich nicht brauchen kann, sie würde es aber eventuell nicht wirklich verstehen. Und natürlich würde es sie verletzen. Im Grunde schenken wir ja so gerne weil wir dem anderen eine Freude damit machen wollen. Wenn ich nun offensichtlich keine Freude daran habe obwohl sie sich darum bemüht – ich finde das ist schon eine Art jemanden vor den Kopf zu stoßen wenn man es nicht sehr behutsam macht.

Stattdessen kommuniziere ich meine Wünsche nun direkt. Ich wünsche mir dann zum Beispiel eine gute Yogamatte die ich brauche, einen Amazon-Gutschein den ich für ein paar neue Kindle-Bücher benutzen kann die auf meiner Wunschliste stehen, wünsche mir einen Frühstücksgutschein den man mit der jeweiligen Person einlösen kann, ein Päckchen von meinem Lieblingskaffee oder -tee, Konzertkarten – wie auch immer. Es gibt viele gute alternative Lösungen, wenn man sich keinen Kram schenken lassen will. Und das beste was man schenken kann ist ohnehin gemeinsame Zeit.

Du kannst das machen wie du es für richtig hältst. Die engsten Vertrauten werden früher oder später davon erfahren. Das ist auch gut so. Wir wollen nämlich dazu stehen was wir tun. Wir wollen die Qualitäten die wir dadurch erfahren mit den Menschen die wir lieben teilen. Aber achte darauf, dass du es mit Feingefühl machst und akzeptiere die Meinung anderer. Irgendwann werden sie verstehen, weil sie die Qualität dieses Lebensstils an dir erfahren. Und meistens ist es genau der Punkt an dem auch die Akzeptanz folgt.

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3 Kommentare zu „Minimalismus & Beziehungen: Mitteilungsbedürfnis“

  1. Zeit zu schenken finde ich auch das schönste Geschenk, nur verstehen das besonders schenkwütige Mitmenschen nicht unbedingt. Die schenken dann gemeinsame Zeit und bringen dahin trotzdem Geschenke mit. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es fast unmöglich ist, die Geschenkflut an die Kinder zu stoppen. An jeder Ecke bekommen sie mit einem freundlichen Grinsen irgendwelchen Plastikkram zugesteckt, der von Anfang an dazu verdammt ist, nach maximal 5 Minuten Aufmerksamkeit für immer in dunklen Ecken zu verschwinden (falls er dann nicht schon kaputt ist). Sowas weiter verschenken kann ich mittlerweile auch nicht mehr, weil ich gar nicht will, dass dieses Zeug sich weiter auf dem Planeten verteilt.
    Mit dem kanalisieren haben wir auch gute Erfahrungen gemacht, auch wenn es manchmal echt schwierig ist, noch etwas zu finden, was wir brauchen. Weil wir haben ja schon alles :-D
    Ich wünsche mir ein Buch oder eine Broschüre, die Minimalisten ihrem Umfeld geben können und das richtig, richtig gut erklärt, was wir da tun, warum wir das tun und wie man uns wirklich eine Freude machen kann. Das könnte man den ganz besonders schenkwütigen in die Hand drücken…

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  2. Ich habe es meinem Umfeld rigoros mitgeteilt. Bitte keine Geschenke, die ich nicht wirklich brauche. Es gibt für spezielle Anlässe eine Amazon Wunschliste und für manche, die mich unbedingt meinen zwischendurch beschenken zu müssen, wie meine Mutter, die habe ich gebeten, es bei Früchten o.ä. zu belassen.

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